GAUSS 2005
Carl Friedrich Gauss
Gauss Göttingen
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Gauss in Göttingen

Grundriss Göttingen
Gauss' Göttingen
„Nichts könne mir angenehmer sein, als wenn Sie einmal auf längere Zeit Ihren Aufenthalt in Göttingen nehmen wollten. Welche Vorzüge auch große Orte in Rücksicht auf andere Genüsse haben mögen, so können Sie doch nirgends eine größere Wärme für diejenigen Bestrebungen antreffen, die darauf gerichtet sind, der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen.“ So umschrieb Carl Friedrich Gauss das geistige Klima in der südniedersächsischen Universitätsstadt Göttingen im September 1835 in einem Brief an Schilling von Cannstadt.

Gauss und Göttingen, das war eine lebenslange Beziehung, die nicht zuletzt dadurch so stabil war, dass der scheue Wissenschaftler hier ein hochkarätiges geistiges Umfeld, aber wenig öffentliche Verpflichtungen vorfand. Der geniale Gelehrte weigerte sich Zeit seines Lebens, sich mit seinen Erkenntnissen an der „Belehrung der Massen“ zu beteiligen. Lukrative Angebote wie Professuren in St. Petersburg, Berlin und Leipzig lehnte er ab und arbeitete bis zu seinem Tod als Ordinarius und Direktor der Göttinger Sternwarte. Die weltweite und bis in die heutige Zeit reichende Ausstrahlung und Wirkung von Gauss haben die Georg-August-Universität und ihr wissenschaftliches Renommee geprägt.


Die Sternwarte an der Geismar Landstraße wurde 1803 - 1816 als bis heute einzige staatliche (früher königliche) Sternwarte in Niedersachsen
bzw. dem früheren Königreich Hannover errichtet. Gauss als erster Direktor nahm ab 1807 starken Einfluss auf ihre Ausstattung. Bis heute ist die mit Gauss weltweit bekannt gewordene Göttinger Astronomie eine Säule der Naturwissenschaften und der später gegründeten Fakultät für Physik geblieben. Zu Gauss’ Nachfolgern zählt Karl Schwarzschild, einer der Begründer der modernen Astrophysik.


Gauss auf der Terasse "seiner" Sternwarte
Gauss auf der Terasse "seiner" Sternwarte
Carl Friedrich Gauss war der erste bedeutende Mathematiker der 1737 gegründeten Reformuniversität der Aufklärung in Göttingen. Im Verlauf seines Wirkens entwickelte sich die Göttinger Mathematik zu einem weltweit anerkannten Zentrum dieser Wissenschaft. Zu den Erben des Mathematikers Gauss in Göttingen zählen jeweils einige der größten Namen ihrer Zeit: Dirichlet, Riemann, Hilbert, Courant, Noether, Klein. Die Bedeutung des Gaussschen Werks für die Mathematik, die Naturwissenschaften und Technik ist kaum zu ermessen. So stehen Arbeiten von Albert Einstein in enger Verbindung zu Gauss wie die Entwicklung des Raumbegriffs, die sich von Gauss über Riemann zur allgemeinen Relativitätstheorie verfolgen lässt. Die Erklärung Einsteins der Brownschen Molekularbewegung wiederum hat starken Bezug zur Gaussschen Normalverteilung. Diese Verbindungen sind Beispiele für die Entwicklung eines modernen wissenschaftlichen Weltbilds, die maßgeblich von Göttingen ausgegangen ist.


44 Nobelpreisträger haben bis heute in Göttingen gelebt, gelehrt und geforscht – aktuell Manfred Eigen und Ernst Neher am MPI für biophysikalische Chemie. Persönlichkeiten wie eben Gauss, Hahn und Heisenberg aber auch Lichtenberg und die beiden Brüder Grimm haben die Grundlagen für die Entwicklung der Stadt zu einem bedeutenden Wissenschaftsstandort gelegt.


Für Carl Friedrich Gauss war seine Beziehung zu Göttingen eine bewusst gelebte Verbindung. Ein Zeitgenosse – der Göttinger Physiologe Rudolph Wagner – wusste über diese Beziehung zu berichten, dass es „allerdings merkwürdig ist, dass … unter allen Anerkennungen, welcher er empfing, die des Ehrenbürgerrechts der Stadt Göttingen ihm die liebste war.“

 
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